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Was tun, wenn Kin­der über­las­tet sind

Stress und Überforderung sind typische Erwachsenenprobleme? Von wegen! Auch Heranwachsende können den Alltag als belastend empfinden. Wir haben mit Dr. Matthias Weniger, Vorstand des Instituts für Stressmedizin rhein ruhr (ISM) und Experte der KNAPPSCHAFT, über dieses Problem gesprochen.

1. Welche Warnzeichen für Stress gibt es bei Kindern und Jugendlichen?
Stress äußert sich häufig durch körperliche Symptome wie Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen, für die sich keine organische Ursache finden lässt. Hinzu kommen mitunter Appetitlosigkeit, Schlafprobleme, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

2. Was sind die Auslöser für Stress bei Kindern?
Zum einen zeitliche Probleme. Die Eltern meinen es gut und möchten ihre Kinder optimal fördern. Sportverein, Musikschule, Sprachkurse nach Kita oder Schule  - der Alltag von Kindern ist oft genauso vollgepackt wie der von Erwachsenen. Zum anderen können persönliche Belastungen (z.B. eine Trennung der Eltern) und schulische Probleme wie Überforderung und Leistungsdruck für Stress sorgen.

3. Wie unterscheidet sich der Stress von Kindern / Jugendlichen von dem Stress von Erwachsenen?
Grundsätzlich gibt es da keine wesentlichen Unterschiede. Bei Heranwachsenden begünstigen allerdings körperliche und hormonelle Veränderungen Unausgeglichenheit. Gerade für Jugendliche ist es schwer, weil die Persönlichkeit noch nicht gefestigt ist und sie sehr stark von den Reaktionen ihres sozialen Umfelds geprägt werden. Hinzu kommt die intensive Nutzung sozialer Medien, die mit ihren Bewertungsmechanismen zusätzlichen Druck aufbauen. Das macht junge Menschen anfälliger für stressbedingte Probleme.

4. Wann macht Stress krank?
Stress macht uns – Kinder wie Erwachsene – krank, wenn es keine Phasen der Entspannung und des Abschaltens mehr gibt. Wenn unser Körper und unsere Seele aus dem Erregungszustand nicht mehr herauskommen und sich unsere Gedanken wie in einem Hamsterrad im Kreis drehen.

5. Wie kann man / wie können Eltern ihren gestressten Kindern und Jugendlichen helfen?
Eltern sollten darauf achten, dass Kinder und Jugendliche nicht an jedem Tag der Woche und auch noch am Wochenende verplant sind. Ein bis zwei Nachmittage in der Woche sollten frei bleiben, an denen das Kind sich selbst beschäftigen und eigene Verabredungen treffen darf. Oder sich entscheiden kann, einfach mal gar nichts zu tun. Zudem helfen ein geregelter Tagesablauf und Rituale, um zur Ruhe zu kommen. Ein warmes Bad, ein entspannendes Hörbuch, bei kleinen Kindern eine Vorlesegeschichte oder eine gemeinsame Kuschelzeit helfen beim Abschalten vom Tag.

6. Ist es hilfreich, über Stress zu reden oder verschlechtert dies eher die Lage?

Wenn Eltern das Gefühl haben, dass sich ihr Kind massiv verändert, sich auffällig zurückzieht, dauerhaft bedrückt und traurig wirkt, verstärkt körperliche Symptome oder sogar Anzeichen für Selbstverletzungen auftreten, sollten sie auf jeden Fall ein Gespräch anbieten. Wichtig ist, das Kind nicht noch mehr unter Druck zu setzen oder ihm Vorwürfe zu machen, sondern zu signalisieren: „Ich bin da und höre dir zu – egal um welches Problem es geht.“

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