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Mit Re­ha er­folg­reich ge­gen Post-Co­vid

Genesen und dennoch nicht gesund: immer mehr Menschen leiden unter Langzeitfolgen ihrer Corona-Erkrankung. Long-Covid oder auch Post-Covid lautet die Diagnose; anhaltende Müdigkeit und körperliche Erschöpfung sind vorherrschende Symptome. Die Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg hat ein psychosomatisch ausgerichtetes Reha-Konzept zur Behandlung von Post-Covid-Patienten entwickelt.

Burnout-ähnliche Erschöpfungszustände, Atemnot, posttraumatischer Stress, Angststörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Muskel- und Gelenkschmerzen: „Bis zu drei Monate nach der Infektion kehrt die Krankheit mit Macht zurück“, beschreibt der Ärztliche Direktor der Paul-Ehrlich-Klinik, Dr. Ralf Schneider, die Leiden der mitunter auch jüngeren Klientel, die in Bad Homburg in einer fünfwöchigen Rehamaßnahme behandelt wird.

Viele Krankheitsbilder nach vermeintlich überstandener Corona-Infektion sind noch relativ unspezifisch und unerforscht. Dennoch zeigt sich bereits die Wirksamkeit des Konzepts. „Die Reha ist ein wichtiger Baustein zur Genesung“, berichtet Psychosomatik-Leiterin Ute Venjakob. Nach Patientenbefragungen und psychometrischen Tests in Bad Homburg hat sich der Gesundheitszustand bei mehr als 90 Prozent der Rehabilitanden deutlich verbessert.

In der Klinik, die zum Verbund der Knappschaft-Bahn-See (KBS) gehört, werden nur Post-Covid-Patienten mit psychosomatischer Hauptdiagnose behandelt. Neben der Orthopädie gewinnt die 2016 gegründete Psychosomatik im 190-Betten-Haus immer mehr Bedeutung. Die Kapazität wird in einer weiteren Stufe auf 70 Betten aufgestockt.

Corona trägt seinen Teil dazu bei. Zehn bis 15 Prozent der infizierten Menschen leiden nach der Genesung an Covid-Langzeitfolgen, ergänzt die Krankenkasse KNAPPSCHAFT unter Hinweis auf aktuelle wissenschaftliche Studien. Long- und Post-Covid-Anlaufstellen und Kliniken sind ausgelastet, obwohl Therapien weiter individuell auf Symptome ausgerichtet werden und es keine spezielle Post-Covid-Behandlung gibt. Betroffene mit Lungenleiden oder neurologischen Erkrankungen versorgt die KBS in den Knappschafts-Kliniken auf Borkum und Bad Driburg.

In Bad Homburg werden die Betroffenen in das reguläre Therapieprogramm der Psychosomatik integriert und tauschen sich in der Post-Covid-Selbsthilfegruppe über Probleme und Erfahrungen aus. „Das stärkt Stressbewältigungskompetenz und persönliches Energiemanagement“, berichtet die stellvertretende Chefärztin Venjakob. Die Patienten müssten sich langsam an die veränderte Situation gewöhnen, erinnert sich die Fachabteilungsleiterin etwa an eine Briefträgerin, eine Krankenschwester oder eine Mutter mit kleinen Kindern, die damit haderten, ihre Arbeit nicht mehr im gewohnten Tempo verrichten zu können und sich sorgten, „schnell wieder voll funktionieren zu müssen“.

Zum Reha-Konzept gehören Wassergymnastik oder Walking im Kurpark und eine Post-Covid-Atemtherapie. Über Konzentrations- und Achtsamkeitsübungen wird eine bewusste Wahrnehmung und Technik geschult, um Angststörungen zu vermeiden. Klassisches Atemtraining hilft, die Belüftung der Lunge wieder zu verbessern und Husten zu reduzieren.

Post-Covid: Auf was Sie achten sollten

 

1.         Langfristige Corona-Folgen hat die Weltgesundheitsorganisation als Long- oder Post-Covid definiert. Auch wenn häufig der Sammelbegriff verwendet wird: Post-Covid-Symptome wie Abgeschlagenheit, Atemnot oder kognitive Beeinträchtigungen treten zumeist erst drei Monate nach dem akuten Infekt auf, Long-Covid-Beschwerden bereits nach wenigen Wochen.

 

2.         Auch wenn extreme Verläufe eher selten sind und Post-Covid langfristig zumeist ausheilt, sollte die Krankheit nicht unterschätzt werden. Studien zufolge schützt Impfen nicht nur gegen Corona-Infektionen, sondern reduziert auch das Risiko von Long- bzw. Post-Covid-Folgen.

 

3.         Wichtig für Betroffene ist es, Geduld zu haben und sich nicht selbst unter Druck zu setzen. Fachärztin Ute Venjakob: Akzeptieren Sie, dass ihr Leistungsvermögen schwanken kann und es keine Katastrophe ist, wenn Sie nicht gleich wieder funktionieren.

 

4.         Erschöpfungssymptome und depressive Verstimmungen zehren an den Selbstheilungskräften: hilfreich ist es dann, Tätigkeitsschwerpunkte zu verlagern und Dinge vorübergehend anders zu bewerten oder betrachten, rät Psychosomatik-Fachabteilungsleiterin  Venjakob.

 

5.         Wer unter Long- oder Post-Covid leidet, kann eine Reha-Maßnahme beantragen. Ansprechpartner  für Erwerbstätige, deren Leistungsfähigkeit im Beruf beeinträchtigt ist, ist die Deutsche Rentenversicherung.