Ab­schluss der Stu­die zu Ge­wal­ter­fah­run­gen in der sta­tio­nären Pfle­ge

Der Arbeiterwohlfahrt Landesverband Sachsen e.V. und die KNAPPSCHAFT Regionaldirektion Chemnitz stellen Ergebnisse in Dresden vor

Dresden, 28. Oktober 2020 - Das Projekt „Entwicklung und Implementierung einer gewaltsensiblen und gewaltvermeidenden Pflegekultur in den stationären Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen (EIGGELP)“ wurde initiiert, um Gewalterfahrungen in der Pflege weiter zu erforschen und die Entstehung von Gewalt besser zu verstehen.

Eine zentrale Erkenntnis des Projekts: Gewalt in stationären Pflegeeinrichtungen stellt sich keinesfalls als eine von Mitarbeitenden zu Bewohner*Innen verlaufende „Einbahnstraße“ dar. Vielmehr ist als häufigstes Gewaltszenario die sich zwischen Bewohner*innen vollziehende Gewalt sowie von Bewohner*innen gegenüber Mitarbeitenden ausgehende Gewalt zu beschreiben.

Das Projekt hatte eine Laufzeit von zwei Jahren und konnte am 30. Juni 2020 erfolgreich abgeschlossen werden. Aufgrund der anhaltenden pandemischen Ausnahmesituation musste von einer geplanten Fachveranstaltung als Projektabschluss abgesehen werden, weshalb die Abschlussveranstaltung heute im Kreis der direkt am Projekt Beteiligten stattfand. Die Beteiligten tauschten sich zu den Ergebnissen der Studie und Strategien einer wirksamen Gewaltvermeidung sowie Handlungsempfehlungen aus, die auf Grundlagen der ausgewerteten Daten entwickelt wurden.

„Uns war es als Wohlfahrtsverband wichtig, dieses Thema offensiv anzugehen und Problemfelder klar zu identifizieren“, sagt AWO Landesgeschäftsführer David Eckardt. „Das ist uns mit dem EIGGELP Projekt gelungen. Auf der Basis der entwickelten Strategien können wir nun daran gehen, eine gewaltsensible und gewaltvermeidende Pflegekultur weiterzuentwickeln und unseren Einrichtungen sinnvolle Instrumente zum Umgang mit Gewaltpotenzial an die Hand zu geben.“

Dass durch die Kranken- und Pflegekasse KNAPPSCHAFT geförderte Projekt macht einmal mehr deutlich: „Gewalt wirksam zu begegnen ist nicht möglich, ohne sie zu thematisieren“, so Thorsten Zöfeld, Leiter der KNAPPSCHAFT-Regionaldirektion Chemnitz. „Von den beschriebenen Maßnahmen zur Gewaltprävention werden die Einrichtungen langfristig und nachhaltig profitieren.“ Mehr noch: Ein Folgeprojekt ist bereits in Planung. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie im Jahr 2020 und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen sowie Ausgangs- und Besuchsverboten sollen die Auswirkungen auf die Bewohner*Innen von Pflegeeinrichtungen, ihre An- bzw. Zugehörigen sowie Mitarbeitende untersucht werden.

Hintergrund zur Studie:
In fünf Pflegeeinrichtungen unterschiedlicher Größe und Standorte wurden im Rahmen von Interviews Bewohner*innen, ihre An-/Zugehörigen und die Einrichtungsleitungen nach ihren Erfahrungen im Umgang mit Gewalt befragt. Die Mitarbeitenden der Pflegeeinrichtungen waren im Rahmen von zwei schriftlichen Befragungen ebenfalls direkt in die Untersuchungen eingebunden. Sie wurden gebeten, ihre Erfahrungen als Opfer von Gewalt, als Zeug*Innen und ggf. als Täter*innen zu schildern.

Gewaltvermeidende Strategien sind darauf angewiesen, dass Gewalthandlungen von allen beteiligten Akteur*innen, also Angehörigen, Bewohner*innen sowie Mitarbeitenden, als Gewalt wahrgenommen werden. In diesem Sinne war es evident, zu untersuchen, welches Gewaltverständnis die Bewohner*Innen und An-/Zugehörigen, wie auch die Mitarbeitenden besitzen, da dieses Wissen maßgeblich bestimmt, was im Pflegealltag als Gewalt erkannt und wahrgenommen werden kann. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, in welchen Formen sich Gewalt Ausdruck verleihen kann, welche Ursachen und Hintergründe auf Seiten der Beteiligten bestehen und welche Faktoren gewaltauslösend sein können.

Das Projekt ist das dritte in einer Reihe von Untersuchungen der AWO Sachsen, die das Thema Gewalt in Pflegebeziehungen in den Fokus gestellt haben. In den ersten beiden Untersuchungen standen ambulante Pflegedienste und stationäre Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung im Vordergrund. Die AWO führt damit konsequent ihre präventive Strategie zur Enttabuisierung von Gewalt in Pflegebeziehungen und der Etablierung einer gewaltvermeidenden Unternehmenskultur weiter.

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