Navigation und Service

Government Site Builder Standardlösung (Link zur Startseite)


Beschäftigungsverhältnisse mit einem Arbeitsentgelt in der Gleitzone

Arbeitsentgelt zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro

Allgemeines

Die Gleitzonenregelung wurde für den Niedriglohnbereich eingeführt. Demnach sind Beschäftigte mit einem monatlichen Arbeitsentgelt innerhalb der sich an die Arbeitsentgeltgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungen anschließenden Gleitzone zwar versicherungspflichtig, der Arbeitnehmer hat allerdings nur einen reduzierten Beitragsanteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag zu zahlen. Der Arbeitgeberbeitrag ist hingegen aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt zu berechnen. Durch die Gleitzone soll die sogenannte Niedriglohnschwelle beseitigt werden, die in Beschäftigungsverhältnissen bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze zu einem abrupten Anstieg der Beitragsbelastung auf den vollen Sozialversicherungsbeitrag führen würde.


Ein Beschäftigungsverhältnis in der Gleitzone liegt vor, wenn das daraus erzielte Arbeitsentgelt 450,01 Euro bis 850,00 Euro im Monat beträgt und die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet.

Für Arbeitnehmer, die eine versicherungspflichtige Beschäftigung mit einem Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone ausüben, gelten besondere Regelungen für die Ermittlung der Beitragsbemessungsgrundlage sowie für die Beitragstragung zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Zudem sind die Meldungen von Beschäftigungen in der Gleitzone besonders zu kennzeichnen.


Versicherungsrechtliche Einstufung durch den Arbeitgeber

Zu Beginn jedes Beschäftigungsverhältnisses hat der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer versicherungsrechtlich zu beurteilen und unter anderem festzustellen, in welchen Sozialversicherungszweigen Versicherungspflicht besteht. In diesem Zusammenhang ist auch zu prüfen, ob ein Beschäftigungsverhältnis mit einem Arbeitsentgelt in der Gleitzone vorliegt.

Die besonderen beitragsrechtlichen Regelungen zur Gleitzone finden Anwendung, wenn das monatliche Arbeitsentgelt aus der Beschäftigung bzw. bei Bestehen mehrerer Beschäftigungsverhältnisse die hieraus insgesamt erzielten Arbeitsentgelte in der Gleitzone von 450,01 Euro bis 850,00 Euro liegen (§ 20 Absatz 2 SGB IV). Gleitzonenfälle liegen demnach nicht vor, wenn lediglich Teilarbeitsentgelte (z. B. wegen Ablaufs der Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder bei Beginn bzw. Ende der Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats) innerhalb der Gleitzone liegen.

Bei der Prüfung der Frage, ob das Arbeitsentgelt in der Gleitzone liegt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen. Dabei ist grundsätzlich auf das Arbeitsentgelt abzustellen, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat (z. B. aufgrund eines Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung oder einer Einzelabsprache), selbst wenn der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt nicht oder erst später zahlt. Wird allerdings ein höheres als vereinbartes Arbeitsentgelt gezahlt, kommt es nicht darauf an, ob ein wirksamer (arbeitsrechtlicher) Anspruch auf das gezahlte Arbeitsentgelt besteht; insoweit löst der Zufluss die Arbeitsentgelteigenschaft und den Beitragsanspruch aus.

Ob die für die Gleitzone maßgebenden Entgeltgrenzen regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten werden, ist bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung in den Verhältnissen (z. B. Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu beurteilen. Die hiernach erforderliche Prognose erfordert keine alle Eventualitäten berücksichtigende genaue Vorhersage, sondern lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt – ggf. nach der bisherigen Übung – mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Im Prognosezeitpunkt muss davon auszugehen sein, dass sich das Arbeitsentgelt bei normalem Ablauf der Dinge nicht relevant verändert. Grundlage der Prognose können dabei lediglich Umstände sein, von denen in diesem Zeitpunkt anzunehmen ist, dass sie das Arbeitsentgelt bestimmen werden. Solche Umstände können die versicherungs- und beitragsrechtliche Beurteilung dann nicht in die Vergangenheit hinein verändern. Stimmt diese Prognose in Folge nicht sicher voraussehbarer Umstände mit dem späteren Verlauf nicht überein, bleibt die für die Vergangenheit getroffene Feststellung maßgebend. Allerdings kann die nicht zutreffende Prognose Anlass für eine neue versicherungsrechtliche Beurteilung und vorausschauende Jahresbetrachtung sein.

Als Zeitraum, auf den die vorausschauende Betrachtung bei Beschäftigten zu erstrecken ist, wird der Zeitraum eines Zeitjahres (nicht Kalenderjahres) angesehen. Steht bereits zu Beginn der Beschäftigung fest, dass diese nicht mindestens ein Jahr andauern wird, ist ein entsprechend kürzerer Prognosezeitraum anzusetzen.

Übt ein Arbeitnehmer eine Beschäftigung innerhalb der Gleitzone aus, besteht in allen Zweigen der Sozialversicherung grundsätzlich Versicherungspflicht nach den allgemeinen Vorschriften. Die in den einzelnen Versicherungszweigen geltenden versicherungsrechtlichen Regelungen finden uneingeschränkt Anwendung.

Beispiel
monatliches Arbeitsentgelt
Einmalzahlung im November
regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt ((600 x 12 + 300) / 12)
600,00 Euro
300,00 Euro
625,00 Euro
Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt beträgt voraussichtlich 625,00 Euro. Es handelt sich demnach um einen Gleitzonenfall.
Beispiel
Beschäftigung vom 1. Juli 2018 bis 31. Dezember 2018
monatliches Arbeitsentgelt
Einmalzahlung im November
regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt ((800 x 6 + 375) / 6)
800,00 Euro
375,00 Euro
862,50 Euro
Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt beträgt voraussichtlich 862,50 Euro. Es handelt sich demnach nicht um einen Gleitzonenfall.


Beitragspflichtige Einnahme

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone beschäftigt sind, wird in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für die Berechnung des Beitrags als beitragspflichtige Einnahme nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt, sondern ein Betrag, der nach der Gleitzonenformel berechnet wird.

Für die innerhalb der Gleitzone liegenden Arbeitsentgelte ist auf Basis des Faktors F (2018 = 0,7547) die beitragspflichtige Einnahme im Kalenderjahr 2018 nach folgender vereinfachter Formel zu ermitteln:

Beitragspflichtige Einnahme = 1,2759625 × Arbeitsentgelt - 234,5681

Das Ergebnis der Berechnung ist auf zwei Dezimalstellen zu runden; die zweite Dezimalstelle ist um 1 zu erhöhen, wenn sich in der dritten Dezimalstelle eine der Zahlen 5 bis 9 ergibt.

Aufgrund der Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts und daraus folgend des Arbeitnehmerbeitragsanteils, werden der späteren Rentenberechnung für diese Zeit allerdings auch nur die reduzierten Arbeitsentgelte zugrunde gelegt. Arbeitnehmer haben deswegen die Möglichkeit auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts zu verzichten und den vollen Arbeitnehmerbeitrag zu zahlen. Durch den Verzicht auf die Anwendung der Gleitzonenregelung können die damit verbundenen rentenvermindernden Auswirkungen in der gesetzlichen Rentenversicherung vermieden werden.

Teilmonate

In Fällen, in denen nicht für einen vollen Kalendermonat Arbeitsentgelt erzielt wird (z. B. wegen Ablaufs der Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder bei Beginn bzw. Ende der Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats) ist - ausgehend von der monatlichen beitragspflichtigen Einnahme - die anteilige beitragspflichtige Einnahme zu berechnen. Hierfür ist zunächst ausgehend vom anteiligen Arbeitsentgelt das monatliche Arbeitsentgelt zu berechnen.

Monatliches Arbeitsentgelt* = anteiliges Arbeitsentgelt x 30 / Kalendertage

*monatliches Arbeitsentgelt = monatliche beitragspflichtige Einnahme

Auf der Grundlage des monatlichen Arbeitsentgelts ist die beitragspflichtige Einnahme nach Maßgabe der Gleitzonenformel zu ermitteln. Anschließend ist diese beitragspflichtige Einnahme entsprechend der Anzahl der Kalendertage, für die eine versicherungspflichtige Beschäftigung besteht, zu reduzieren.

anteilige beitragspflichtige Einnahme = monatliche beitragspflichtige Einnahme x Kalendertage / 30

Dabei ist unerheblich, ob das anteilige Arbeitsentgelt unterhalb der Gleitzone liegt. Für die Anwendung der besonderen Regelungen zur Gleitzone ist in diesen Fällen allein auf das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt abzustellen.

Beitragsberechnung

Das Verfahren zur Beitragsberechnung erfolgt in drei Schritten:

1. Gesamtbeitrag für jeden Versicherungszweig:

Der Beitrag wird durch die Anwendung des halben Beitragssatzes auf die beitragspflichtige Einnahme und anschließender Verdoppelung des gerundeten Ergebnisses ermittelt.

Darüber hinaus sind der Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung nach § 242 SGB V und der Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung bei Kinderlosigkeit von 0,25 Prozent, die von den Arbeitnehmern alleine zu tragen sind, jeweils durch Anwendung des Zusatzbeitragssatzes bzw. des Beitragszuschlags auf die reduzierte beitragspflichtige Einnahme gesondert zu berechnen und dem nach den besonderen beitragsrechtlichen Regelungen für die Gleitzone ermittelten Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzuzurechnen.

2. Beitragsanteil des Arbeitgebers:

Der Arbeitgeberbeitragsanteil zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung wird durch Anwendung des halben Beitragssatzes zur Pflegeversicherung, des halben Beitragssatzes zur Rentenversicherung und des halben Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt ermittelt. Dabei ist der Arbeitgeberbeitragsanteil für jeden Versicherungszweig eigenständig und nicht in Summe aller halben Beitragssätze zu berechnen. Der Arbeitgeberbeitragsanteil zur Krankenversicherung wird durch Anwendung der Hälfte des allgemeinen bzw. ermäßigten Beitragssatzes der Krankenversicherung auf das der Beschäftigung zugrunde liegende Arbeitsentgelt ermittelt.

3. Beitragsanteil des Arbeitnehmers:

Der Abzug des jeweiligen Arbeitgeberbeitragsanteils von dem im ersten Schritt für jeden Versicherungszweig ermittelten Gesamtbeitrag ergibt den jeweiligen Beitragsanteil des Arbeitnehmers. Der von den Arbeitnehmern in der Pflegeversicherung allein zu tragende Beitragszuschlag bei Kinderlosigkeit von 0,25 % ist durch Anwendung des Beitragszuschlags auf die reduzierte beitragspflichtige Einnahme zu berechnen und dem nach den besonderen beitragsrechtlichen Regelungen für die Gleitzone ermittelten Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzuzurechnen. Der Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung, der ab dem 1. Januar 2015 eingeführt wurde, ist vom Arbeitnehmer allein aufzubringen und vom Arbeitgeber an die zuständige Krankenkasse abzuführen.

Beispiel (voller Monat):
Monatliches Arbeitsentgelt (kinderloser Arbeitnehmer)
(Beitragssatz zur KV 14,6 %, zur PV 2,55 %, zur RV 18,6 %, zur AloV 3,0 %, Zusatzbeitrag der Knappschaft 1,3 %)

550,00 Euro
beitragspflichtige Einnahme (1,2759625 x 550,00 - 234,5681)467,21 Euro
Krankenversicherung
Versicherungsbeitrag (467,21 x 7,3 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (550,00 x 7,3 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag (467,21 x 1,3 %)

68,22 Euro
- 40,15 Euro
= 28,07 Euro
6,07 Euro
Pflegeversicherung
Versicherungsbeitrag (467,21 x 1,275 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (550,00 x 1,275 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag (467,21 x 0,25 %)

11,92 Euro
- 7,01 Euro
= 4,91 Euro
1,17 Euro
Rentenversicherung
Versicherungsbeitrag (467,21 x 9,30 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (550,00 x 9,30 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

86,90 Euro
- 51,15 Euro
= 35,75 Euro
Arbeitslosenversicherung
Versicherungsbeitrag (467,21 x 1,5 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (550,00 x 1,5 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

14,02 Euro
- 8,25 Euro
= 5,77 Euro


Beispiel (Teilmonat):

Monatliches Arbeitsentgelt (kinderloser Arbeitnehmer)
(Beitragssatz zur KV 14,6 %, zur PV 2,55 %, zur RV 18,6 %, zur AloV 3,0 %, Zusatzbeitrag der Knappschaft 1,3 %)

Beendigung der Beschäftigung am 2. November 2018

600,00 Euro


November Arbeitsentgelt 40,00 Euro
Einmalzahlung im November 100,00 Euro
beitragspflichtige Einnahme (1,2759625 x 700,00 - 234,5681)658,61 Euro
anteilige beitragspflichtige Einnahme vom 1. November 2018 bis 2. November 2018
(658,61 x 2 / 30)
43,91 Euro
Krankenversicherung
Versicherungsbeitrag (43,91 x 7,3 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (140,00 x 7,3 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag (43,91 x 1,3 %)

6,42 Euro
- 10,22 Euro
= 0,00 Euro
0,57 Euro
Pflegeversicherung
Versicherungsbeitrag (43,91 x 1,275 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (140,00 x 1,275 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag (43,91 x 0,25 %)

1,12 Euro
- 1,79 Euro
= 0,00 Euro
0,11 Euro
Rentenversicherung
Versicherungsbeitrag (43,91 x 9,30 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (140,00 x 9,30 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

8,16 Euro
- 13,02 Euro
= 0,00 Euro
Arbeitslosenversicherung
Versicherungsbeitrag (43,91 x 1,5 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (140,00 x 1,5 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

1,32 Euro
- 2,10 Euro
= 0,00 Euro


Beispiel: Beitragsberechnung knappschaftliche Rentenversicherung >>

Mehrfachbeschäftigung mit einem Arbeitsentgelt in der Gleitzone

Werden mehrere (ggf. durch Zusammenrechnung) versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt, gelten die besonderen Regelungen zur Gleitzone, wenn das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt (Gesamtarbeitsentgelt) innerhalb der Gleitzone liegt. Daraus ergibt sich, dass keine versicherungsfreien Beschäftigungen (z. B. als Beamter) berücksichtigt werden.

Bei der Zusammenrechnung der Arbeitsentgelte aus mehreren Beschäftigungen ist zu beachten, dass eine geringfügige Beschäftigung, die neben einer nicht geringfügigen versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung ausgeübt wird, unberücksichtigt bleibt. Werden mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen neben einer nicht geringfügigen versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung ausgeübt, bleibt diejenige geringfügig entlohnte Beschäftigung von der Zusammenrechnung ausgenommen, die zeitlich zuerst aufgenommen wurde. In der Arbeitslosenversicherung ist eine Zusammenrechnung generell ausgeschlossen.

Werden mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen ausgeübt, deren Arbeitsentgelte in der Summe innerhalb der Gleitzone liegen, sind die für die Berechnung der Arbeitnehmerbeitragsanteile zugrunde zu legenden reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen für die einzelnen Beschäftigungen nicht nach der allgemeinen Gleitzonenformel zu ermitteln; in diesen Fällen wird die beitragspflichtige Einnahme für die einzelnen Beschäftigungen auf Grundlage des Gesamtarbeitsentgelts ermittelt und im Verhältnis der jeweiligen Arbeitsentgelte zum Gesamtarbeitsentgelt auf die Beschäftigungen aufgeteilt.

Sofern die Mehrfachbeschäftigung in der Gleitzone für volle Kalendermonate besteht, ist die jeweilige beitragspflichtige Einnahme auf der Grundlage des von den Krankenkassen mitgeteilten Gesamtarbeitsentgelts (für den vollen Kalendermonat = 30 Sozialversicherungstage), wie folgt zu berechnen:

Formel zur Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahme bei mehreren Beschäftigungen:

Beitragspflichtige Einnahme =
((1,2759625 x GAE - 234,5681) x EAE) / GAE

GAE = Gesamtarbeitsentgelt des Arbeitnehmers, das sich durch die Addition aller Einzelarbeitsentgelte ergibt

EAE = Einzelarbeitsentgelt des Arbeitnehmers aus einer Beschäftigung

In Teilmonaten sind bei der Beitragsberechnung Besonderheiten zu beachten. Bitte beachten Sie diesbezüglich das Besprechungsergebnis der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung zur Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigen in der Gleitzone.

Für Abrechnungszeiträume ab dem 1. Januar 2015 haben die Arbeitgeber bei mehrfachbeschäftigten Arbeitnehmern grundsätzlich ohne unmittelbare Beteiligung der Krankenkassen festzustellen, ob die Summe der Arbeitsentgelte aus den einzelnen Beschäftigungsverhältnissen innerhalb der Gleitzone liegt. Ebenfalls ist von den Arbeitgebern bei Anwendung der Gleitzonenregelungen eigenständig das der Beitragsbemessung zugrunde zu legende Gesamtarbeitsentgelt zu ermitteln. Die Arbeitnehmer sind in diesem Zusammenhang nach § 28o Absatz 1 SGB IV dazu verpflichtet, allen beteiligten Arbeitgebern die zur Durchführung des Meldeverfahrens und der Beitragszahlung erforderlichen Angaben zu machen und, soweit erforderlich, Unterlagen vorzulegen.

Beispiel

Bei Arbeitgeber A besteht ein Beschäftigungsverhältnis mit einem monatlichen Entgelt in Höhe von 350,00 Euro.
Das Entgelt bei Arbeitgeber B beträgt 370,00 Euro. Das Gesamtentgelt beträgt demnach 720,00 Euro.
Es besteht Versicherungspflicht, da die beiden an sich geringfügigen Beschäftigungen zusammenzurechnen sind und das Arbeitsentgelt die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet. Es liegt eine Mehrfachbeschäftigung mit einem Arbeitsentgelt in der Gleitzone vor. (Der Arbeitnehmer hat keine Kinder.)

Arbeitgeber A:Arbeitgeber B:
- regelmäßiges Jahresentgelt
- laufendes Arbeitsentgelt
- SV-Tage

Beitragsberechnung bei Arbeitgeber A:
beitragspflichtiges Arbeitsentgelt = ((1,2759625 x 720,00 Euro - 234,5681) x 350,00 Euro) : 720,00 Euro
4.200,00 Euro
350,00 Euro
30


332,56 Euro
- regelmäßiges Jahresentgelt
- laufendes Arbeitsentgelt
- SV-Tage

Beitragsberechnung bei Arbeitgeber B
beitragspflichtiges Arbeitsentgelt = ((1,2759625 x 720,00 Euro - 234,5681) x 370,00 Euro) : 720,00 Euro
4.400,00 Euro
370,00 Euro
30


351,56 Euro
Krankenversicherung
Versicherungsbeitrag
(332,56 x 7,3 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (350,00 x 7,3 %)
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag
(332,56 x 1,3 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

48,56 Euro

- 25,55 Euro

+ 4,32 Euro

= 27,33 Euro
Krankenversicherung
Versicherungsbeitrag
(351,56 x 7,3 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (370,00 x 7,3 %)
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag
(351,56 x 1,3 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

51,32 Euro

- 27,01 Euro

+ 4,57 Euro

= 28,88 Euro
Pflegeversicherung
Versicherungsbeitrag
(332,56 x 1,275 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (350,00 x 1,275 %)
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag
(332,56 x 0,25 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

8,48 Euro

- 4,46 Euro

+ 0,83 Euro

= 4,85 Euro
Pflegeversicherung
Versicherungsbeitrag
(351,56 x 1,275 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (370,00 x 1,275 %)
zusätzlicher Arbeitnehmerbeitrag
(351,56 x 0,25 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

8,96 Euro

- 4,72 Euro

+ 0,88 Euro

= 5,12 Euro
Rentenversicherung
Versicherungsbeitrag
(332,56 x 9,30 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (350,00 x 9,30 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

61,86 Euro

- 32,55 Euro

= 29,31 Euro
Rentenversicherung
Versicherungsbeitrag
(351,56 x 9,30 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (370,00 x 9,30 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

65,40 Euro

- 34,41 Euro

= 30,99 Euro
Arbeitslosenversicherung
Versicherungsbeitrag
(332,56 x 1,5 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (350,00 x 1,5 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

9,98 Euro

- 5,25 Euro

= 4,73 Euro
Arbeitslosenversicherung
Versicherungsbeitrag
(351,56 x 1,5 % x 2)
abzüglich Arbeitgeberbeitragsanteil (370,00 x 1,5 %)
Arbeitnehmerbeitragsanteil

10,54 Euro

- 5,55 Euro

= 4,99 Euro

Bestandsschutzfälle

Im Zusammenhang mit der Anhebung der monatlichen Entgeltgrenze von 400,01 Euro auf 450,01 Euro und von 800,00 Euro auf 850,00 Euro zum 1. Januar 2013 wurden für Arbeitnehmer, deren Beschäftigungen bereits am 31. Dezember 2012 bestanden haben, Bestandsschutzregelungen geschaffen, die die weitere Anwendung des bis dahin geltenden Rechts sicherstellten. Von den Bestandsschutzregelungen wurden Arbeitnehmer mit einem regelmäßigen Arbeitsentgelt von monatlich 400,01 Euro bis 450,00 Euro und mit einem regelmäßigen Arbeitsentgelt von monatlich 800,01 Euro bis 850,00 Euro erfasst. Bei den Bestandsschutzfällen ergeben sich seit dem 1. Januar 2015 Änderungen.

Arbeitsentgelt zwischen 400,01 Euro und 450,00 Euro

Seit dem 1. Januar 2015 an gelten für Arbeitnehmer mit einem monatlichen Arbeitsentgelt in Höhe von 400,01 Euro bis 450,00 Euro uneingeschränkt die versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Regelungen für geringfügig entlohnte Beschäftigte. Dadurch endete in der Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung die Versicherungspflicht zum 31. Dezember 2014. In der Rentenversicherung besteht die Versicherungspflicht aufgrund der geringfügig entlohnten Beschäftigung auch nach dem 31. Dezember 2014 fort. Die Arbeitnehmer haben seit dem 1. Januar 2015 aber die Möglichkeit, die Befreiung von der Versicherungspflicht nach § 6 Absatz 1b SGB VI zu beantragen. Bei Rentenversicherungspflicht fallen seit dem 1. Januar 2015 an im Rahmen der geringfügig entlohnten Beschäftigung Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung an. Die Gleitzonenregelung findet keine Anwendung mehr.

Weitere Informationen zu den Bestandsschutzregelungen in der Rentenversicherung finden Sie auch in den Geringfügigkeits-Richtlinien der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung.

Arbeitsentgelt zwischen 800,01 Euro und 850,00 Euro

Die Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer mit einem monatlichen Arbeitsentgelt in Höhe von 800,01 Euro bis 850,00 Euro sind im Rahmen des Bestandsschutzes bei fortbestehender Beschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 800,01 bis 850,00 Euro auch über den 31. Dezember 2014 hinaus aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zu berechnen.

Beispiel
Beschäftigung seit dem 1. Juli 2010
monatliches Arbeitsentgelt
830,00 Euro
Die Beschäftigung ist seit dem 1. Juli 2010 versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Ab dem 1. Januar 2013 liegt das monatliche Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone. Dennoch sind die Beiträge über den 31. Dezember 2012 hinaus weiterhin aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zu berechnen. Dies gilt auch über den 31. Dezember 2014 hinaus, wenn der Arbeitnehmer bis zum 31. Dezember 2014 nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hatte, die Gleitzonenregelung zu wählen.

Die Arbeitnehmer konnten bis zum 31. Dezember 2014 die Anwendung der Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber mit Wirkung für die Zukunft wählen. Die Erklärung zur Anwendung der Gleitzonenregelung ist vom Arbeitgeber zu den Entgeltunterlagen zu nehmen. Sofern die Anwendung der Gleitzonenregelung nicht erklärt wurde, sind die Beiträge auch weiterhin nach den allgemeinen Regelungen und nicht nach denen der Gleitzone zu berechnen.

Ausnahmen von der Anwendung der Gleitzonen-Regelung

Die besonderen Regelungen zur Gleitzone gelten nicht für die folgenden Personenkreise:

  • Zur Berufsausbildung Beschäftigte (z. B. Auszubildende, Praktikanten, Teilnehmer an dualen Studiengängen),
  • Umschüler, die den zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten gleichgestellt sind, wenn die Umschulung für einen anerkannten Ausbildungsberuf erfolgt und nach Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes durchgeführt wird,
  • Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr,
  • Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst,
  • Beschäftigte, für deren Beitragsberechnung fiktive Arbeitsentgelte zugrunde gelegt werden (z. B. bei der Beschäftigung behinderter Menschen in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen, bei Mitgliedern geistlicher Genossenschaften, Diakonissen und Angehörige ähnlicher Gemeinschaften),
  • Für mehr als geringfügige versicherungspflichtige Beschäftigung, die neben einer Beschäftigung zur Berufsausbildung, einer Teilnahme an einem freiwilligen sozialen bzw. freiwilligen ökologischen Jahr oder einem Bundesfreiwilligendienst ausgeübt wird.

Darüber hinaus finden die Regelungen zur Gleitzone auch bei Beschäftigungen keine Anwendung, für deren Beitragsberechnung fiktive Arbeitsentgelte zugrunde gelegt werden (z. B. bei der Beschäftigung behinderter Menschen in anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen, bei Mitgliedern geistlicher Genossenschaften, Diakonissen und Angehörigen ähnlicher Gemeinschaften).

Verzicht auf die Reduzierung des Arbeitnehmerbeitrags

In der Rentenversicherung richtet sich die Höhe der Rentenansprüche nach dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt. Aufgrund der Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts und daraus folgend des Arbeitnehmerbeitragsanteils bei Beschäftigungen in der Gleitzone werden der späteren Rentenberechnung für diese Zeit auch nur die reduzierten Arbeitsentgelte zugrunde gelegt. Das heißt, aufgrund des reduzierten Arbeitnehmerbeitrags erwirbt der Beschäftigte reduzierte Rentenanwartschaften.

Versicherungspflichtige Arbeitnehmer, die Beschäftigungen in der Gleitzone ausüben, haben in der Rentenversicherung die Möglichkeit, auf die Reduzierung des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts zu verzichten und den vollen Arbeitnehmerbeitrag zu zahlen (§ 163 Absatz 10 Satz 6 SGB VI). Durch den Verzicht auf die Anwendung der besonderen Regelungen zur Gleitzone können die damit verbundenen rentenmindernden Auswirkungen in der gesetzlichen Rentenversicherung vermieden werden. Hierzu muss der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich erklären, dass der Beitragsberechnung als beitragspflichtige Einnahme das tatsächliche Arbeitsentgelt zugrunde gelegt werden soll. Die Erklärung kann jedoch nur für die Zukunft und bei mehreren Beschäftigungen nur einheitlich abgegeben werden. Es bestehen keine Bedenken, den Verzicht auf die Reduzierung des Arbeitnehmerbeitrags beitragsrechtlich nicht taggenau, sondern aus Vereinfachungsgründen für die Entgeltabrechnung erst vom Beginn des auf die Abgabe der Erklärung folgenden Kalendermonats an zu berücksichtigen. Geht die Verzichtserklärung innerhalb von zwei Wochen nach Aufnahme der Beschäftigung beim Arbeitgeber ein, wirkt sie auf den Beginn der Beschäftigung zurück, falls der Arbeitnehmer dies wünscht. Die Erklärung bleibt für die Dauer der Beschäftigung(en) bindend (§ 163 Absatz 10 Satz 7 SGB VI) und ist zu den Entgeltunterlagen zu nehmen (§ 8 Absatz 2 Nummer 5 BVV).

Die Möglichkeit, auf die Anwendung der Gleitzonenregelung zu verzichten, ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht vorgesehen.


Diese Seite:

© Knappschaft-Bahn-See